MS und
Impfungen

Werde aktiv und schütz dich – vor Grippe, Tetanus & Co.

Wann hattest du das letzte Mal deinen Impfausweis in der Hand? Ein Blick hinein lohnt sich. Denn dort siehst du, wogegen du wann geimpft wurdest.

Vielleicht fällt dir dabei auf, dass es Zeit ist, aktiv zu werden und deinen Impfschutz zu erneuern. Lass dich von deiner Ärztin oder deinem Arzt dazu beraten. Dort erfährst du auch, was du aufgrund deiner MS beim Impfen beachten solltest.

Du hast es in der Hand. Ergreif die Initiative und schieb das Thema Impfen nicht auf die lange Bank. Denn schließlich geht es dabei um deine Gesundheit.

Impfen – warum eigentlich?

Impfungen können dich vor Infektionskrankheiten schützen. Warum das wichtig ist? Einige dieser Krankheiten, zum Beispiel Kinderlähmung, Diphtherie oder Tetanus, können einen schweren Verlauf haben. Impfungen sorgen dafür, dass dein Immunsystem – also dein körpereigenes Abwehrsystem – gegen mögliche Erreger ankämpfen und auf diese Weise eine Erkrankung verhindern beziehungsweise abschwächen kann.

Wie das funktioniert? Bei einer Impfung wird dir ein abgeschwächter Krankheitserreger oder Bestandteile von abgetöteten Erregern verabreicht. Dein Körper entwickelt daraufhin gegen diesen Erreger Abwehrzellen und speichert diese. Je nach Impfung kann das einige Wochen dauern. Im Prinzip wird also durch eine Impfung der erste Kontakt mit einem Krankheitserreger lediglich vorgetäuscht. Sollten dann im Laufe deines Lebens tatsächlich entsprechende Erreger deinen Körper angreifen, kann sie dein Immunsystem erkennen und bekämpfen.

Deine MS macht Impfungen noch wichtiger, und zwar aus zwei Gründen:

Die meisten MS-Medikamente beeinflussen das Immunsystem. Darum kann es passieren, dass du für Infektionskrankheiten anfälliger bist.

Bestimmte Infektionskrankheiten, wie zum Beispiel die Grippe, können einen Schub auslösen und so den Verlauf der MS ungünstig beeinflussen.

Vielleicht fragst du dich, ob das Risiko einer Impfung bei MS wegen möglicher Nebenwirkungen nicht viel höher ist als ihr Nutzen. Dazu gibt es bereits viele Studien. Heute weiß man, dass vor allem sogenannte Totimpfstoffe, wie sie beispielsweise bei Grippe-, Tetanus- oder Hepatitis-B-Impfungen verwendet werden, für Menschen mit chronisch-entzündlichen und Autoimmunerkrankungen kein erhöhtes Risiko für unerwünschte Wirkungen mit sich bringen und selbst unter immunsuppressiver Behandlung angewendet werden können. Das gesundheitliche Risiko, das mit manchen Infektionskrankheiten einhergehen kann, ist vor allem für Menschen mit MS viel höher als das mögliche Risiko der Impfung selbst.

Du siehst also: Impfungen sind eine gute Sache.

Impfstoff ist nicht gleich Impfstoff

Es gibt drei verschiedene Arten von Impfstoffen

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Totimpfstoffe

Diese enthalten tote, nicht mehr vermehrungsfähige Krankheitserreger oder Bestandteile von Krankheitserregern. Dazu gehören unter anderem Impfstoffe gegen Grippe, Diphtherie und Tetanus.

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Lebendimpfstoffe

Diese enthalten geringe Mengen vermehrungsfähiger Krankheitserreger, die jedoch so abgeschwächt wurden, dass sie die Erkrankung selbst nicht auslösen. Dazu gehören beispielsweise Impfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln.

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Genbasierte Impfstoffe

Diese enthalten die Gene der jeweiligen Krankheitserreger, die den Körperzellen als Bauanleitung dienen. Auf diese Weise kann das körpereigene Abwehrsystem auf entsprechende Infektionen reagieren. Dazu gehört zum Beispiel ein Impfstoff gegen Covid-19.

Impfen bei Immuntherapie – geht das?

Die Antwort darauf lautet: Ja. Im besten Fall sollten jedoch alle Impfungen vor Beginn einer Therapie abgeschlossen sein. Darüber hinaus kann es je nach Art des Impfstoffes erforderlich sein, einen bestimmten Zeitabstand zwischen Impfung und Therapiebeginn einzuhalten.

Impfung mit Totimpfstoffen

Grundsätzlich kann die Impfung mit Totimpfstoffen jederzeit erfolgen, auch während deiner MS-Therapie. Um einen bestmöglichen Impfschutz zu erhalten, wird jedoch empfohlen, Impfungen mindestens zwei bis vier Wochen vor Beginn der Therapie abzuschließen.

Impfung mit Lebendimpfstoffen

Ob du einen Lebendimpfstoff erhalten kannst, ist unter anderem davon abhängig, welche Therapie du erhältst. Bei immunsupprimierenden Therapien sollten die Impfungen mindestens vier bis sechs Wochen vor Beginn der MS-Therapie abgeschlossen sein. Ausnahmen sind meist nur im Einzelfall möglich, nachdem Risiko und Nutzen der Impfung gründlich abgewogen wurden.

Kann eine Impfung die MS verschlimmern?

Hier besteht kein Grund zur Sorge. Denn Untersuchungen zu dieser Frage zeigen:

Insbesondere bei den Totimpfstoffen – die ja für viele Impfungen verwendet werden – gibt es keinerlei Hinweise, dass sie einen Schub auslösen können. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Impfungen können das Risiko verringern, aufgrund einer Infektion einen Schub zu bekommen.

Gut geschützt bei MS – diese Impfungen werden empfohlen

Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) geben dir Auskunft darüber, welche Impfungen im Allgemeinen wichtig sind und wann sie durchgeführt werden sollten.

Außerdem bedeutsam für dich: Aufgrund deiner Immuntherapie kann es sein, dass du im Vergleich zu Menschen ohne Immuntherapie anfälliger für weitere Infektionskrankheiten bist.

Mit entsprechenden Impfungen, für die meist Totimpfstoffe verwendet werden, kannst du deine Gesundheit schützen:

Stock-Foto. Mit Model gestellt.
  • Tetanus
    Auffrischung alle 10 Jahre
  • Diphtherie
    Auffrischung alle 10 Jahre
  • Grippe
    Jährlich vor der Grippesaison

Weitere mögliche Impfungen bei MS und Immuntherapie:

  • Pneumokokken
    Auffrischung alle 6 Jahre
  • Hepatitis B
    Einmalig
  • Meningokokken
    Grundimmunisierung und ggf. Auffrischung nach 5 Jahren
  • Varicella-Zoster-Virus
    Grundimmunisierung vor Beginn einer Immuntherapie abgeschlossen (wenn du noch keine Windpocken hattest oder im Blut keine Antikörper gegen Windpocken nachweisbar sind)
  • Herpes zoster
    Einmalig ab dem 50. Lebensjahr, nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung kann dein Arzt oder deine Ärztin aber auch schon eine Impfung ab 18 Jahren in Erwägung ziehen

Mehr erfahren

Hier geht’s zum Impfkalender der STIKO.

Zusätzlich zu diesen Standardimpfungen kann es für dich sinnvoll sein, dich vor weiteren Infektionskrankheiten zu schützen. Zum Beispiel, wenn du in ein anderes Land reisen möchtest.

Am besten du sprichst mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber. Gemeinsam könnt ihr schauen, welche Impfungen du benötigst und wann du diese erhalten kannst.

Und wie sieht’s aus mit der Covid-19-Impfung?

Die Diagnose MS ist kein Ausschluss für eine Covid-19-Impfung. Ganz im Gegenteil: Wie bei anderen Infektionskrankheiten können die Folgen einer Erkrankung unter Umständen schwerwiegender sein als die möglichen Risiken einer Impfung. Darum empfiehlt das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) Menschen mit MS, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.

Du möchtest mehr über Covid-19, aktuelle Entwicklungen in puncto Impfungen sowie Empfehlungen für Menschen mit MS wissen? Dann findest du auf der Website des Robert Koch-Instituts (RKI) oder auf www.amsel.de weitere Infos.

Quellennachweise