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Wie sag ich’s …
meinem Kind?

Stock-Foto. Mit Model gestellt.

Diagnose MS. So sagst du’s deinem Kind.

 

Sicher war es nicht leicht für dich, die Diagnose MS zu akzeptieren. Aber wenn es dir selbst schon so schwerfiel, wie sollen dann erst Kinder mit so einer Nachricht zurechtkommen? Alle, die bereits eine Familie gegründet haben, stehen irgendwann vor genau dieser Frage. Sage ich meinen Kindern, dass ich MS habe, oder nicht? Werden sie daran zerbrechen? Und was ist, wenn mein:e Partner:in an der Stelle anderer Meinung ist als ich?

Kinder sind nicht zu klein für die Wahrheit

Unterschätze nicht, wie viel ein Kind mitbekommt und in seine eigene Fantasiewelt einbaut. Alles, was du nicht sagst, wird es trotzdem spüren und im schlimmsten Fall zu Ängsten führen. Kinder sind sozusagen unser Gefühlssonar. Deshalb ist es wichtig, ihnen die Wahrheit zu sagen und nicht zu lange damit zu warten. Größere Kinder und Teenager könnten sich sonst nämlich ausgeschlossen und hintergangen fühlen. Das ist weder für dich noch für die Kids hilfreich – schließlich kannst du alle Unterstützung gebrauchen. Deine Kinder wollen einbezogen werden. Also tu es auch!

Wie sagst du’s kleinen Kindern?

Nimm dir Zeit.

Verpack die Informationen häppchenweise.

Versuch, bildhafte Vergleiche zu finden, mit denen das Kind etwas anfangen kann. Ein Gespräch könnte zum Beispiel so laufen: „Stell dir vor, wie du die leckere gelbe Zuckerschicht von einer Lakritzrolle schleckst. So ist das auch bei mir im Körper. Der knabbert am liebsten die Hülle von den Nerven im Gehirn weg. Die haben dann keinen Schutz mehr und gehen deshalb kaputt. Mein Körper ist eine richtige kleine Naschkatze, so wie du. Der knabbert die ganze Zeit die Hüllen ab – manchmal ist der Augennerv am leckersten und dann der von den Beinen. Dann kann ich nicht so gut sehen oder laufen.“

Keine falschen Versprechungen! Mama oder Papa werden nicht wieder gesund oder alles wieder gut! Bleib realistisch und sag, dass die Medizin hoffentlich hilft.

Sag deinem Kind, dass MS eine Krankheit ist und niemand daran schuld ist – auch nicht das Kind.

Du musst nicht immer alles sagen. Aber alles, was du sagst, muss immer wahr sein!

Versucht als Familie, eure Routinen genauso fortzuführen wie vor der Diagnose. Das gibt dem Kind Sicherheit.

Gib dem Kind Bescheid, wenn ihr von der Routine abweichen müsst, z. B. weil es jetzt immer von Oma und Opa aus der Kita oder dem Hort abgeholt wird statt von dir.

Bezieh dein Kind mit ein und gib ihm schaffbare Aufgaben. Es kann dir beispielsweise ein Glas Wasser bringen oder deine Füße zudecken.

Sag deinem Kind, dass es mit dir jederzeit sprechen kann und alles fragen darf.

Aufmerksam bleiben

Die meisten Kinder kommen gut mit der Situation zurecht. Wenn jedoch die Noten in der Schule schlechter werden, sich dein Kind zurückzieht, es plötzlich kein Interesse mehr an den Freund:innen hat, schlecht schläft oder Albträume hat und appetitlos wirkt, dann ist Vorsicht angesagt. Hält dieses Verhalten länger als 14 Tage an, solltest du ärztlichen Rat suchen.

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Unser Tipp:
Erzähl eine Geschichte

Der seltsame Onkel Bruno
Ingrid Dorothea Reuter

Dieses Kinderbuch erzählt von einem Besuch bei Onkel Bruno. Mit viel Humor und Respekt werden hier die Symptome von MS vermittelt.

Wie sagst du’s jugendlichen Kindern?

Sag deinem Kind so früh wie (für dich) möglich die Wahrheit.

Sei immer ehrlich. Beschönige nichts. Versuch aber auch nicht, Ängste zu schüren.

Weglassen von Informationen ist nicht okay. Das führt zu Misstrauen, Ablehnung und Konflikten. Gib so viel preis, wie eingefordert wird.

Dein Teenie ist belastbarer, als du denkst.

Es ist in Ordnung, Gefühle zu zeigen. Wenn du weinen musst, dann tu’s. Das zeigt deinem Kind, dass es seinen Gefühlen auch freien Lauf lassen darf.

Mach keine Versprechungen, dass alles wieder gut oder du wieder gesund werden wirst.

Gönn deinem Teenie eine Auszeit und Freiräume von dir und deiner MS, damit er/sie/es Abstand zu deinen Problemen bekommen kann.

Gib zu, wenn du Angst hast oder überfordert bist. Es nimmt Kindern den Druck, wenn sie sehen, dass auch Erwachsene Unterstützung aus dem Freundeskreis, von der Familie oder sogar von Kind selbst brauchen.

Vereinbare eventuell ein Gespräch mit einem Arzt oder eine Ärztin, falls dein Kind sich Gedanken macht, auch MS zu bekommen.

Überlass es deinem Kind, mit wem es über deine Krankheit sprechen möchte, auch wenn es dir eventuell nicht recht ist.

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