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Forschung

Neuer Erklärungsansatz für kognitive Beeinträchtigungen bei MS

Wie lassen sich kognitive Beeinträchtigungen bei Multipler Sklerose (MS) erklären? Niederländische Wissenschaftler:innen vom MS Center Amsterdam haben dazu einen Artikel in einem medizinischen Fachmagazin veröffentlicht. Dessen Kernaussage lautet: Bei MS sind im Gehirn hauptsächlich die langen Nervenbahnen von Entzündungsreaktionen betroffen. Das kann sich maßgeblich auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirken.

Bestimmt weißt du, dass sich bei MS das körpereigene Abwehrsystem (Immunsystem) gegen eigene Nervenzellen richtet und Entzündungen im Gehirn und Rückenmark (zentrales Nervensystem, ZNS) auslöst. Die dadurch entstehenden (herdförmigen) entzündlichen Schädigungen werden als Läsionen bezeichnet. Eine mögliche Folge ist, dass Signale nicht mehr richtig weitergeleitet werden können. Dies wiederum kann neben körperlichen auch zu kognitiven Beeinträchtigungen führen.


Neue Hypothese zum Thema MS und Kognition

Welche Strukturen im Gehirn wann, wie und warum betroffen sind, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Das Amsterdamer Forscher:innenteam ist nun einer neuen Hypothese nachgegangen.


Das „Netzwerk Gehirn“

Die Autor:innen des Artikels legten ihrer Arbeit folgende Annahmen zugrunde:

  1. Das menschliche Gehirn ist im Prinzip wie ein riesiges komplexes Netzwerk aufgebaut.
  2. In diesem Netzwerk sind die verschiedenen Gehirnareale durch unterschiedlich lange Nervenbahnen miteinander verknüpft. Diese langen und kurzen Nervenbahnen erfüllen jeweils verschiedene Aufgaben bei der Steuerung von Gehirnfunktionen.
  3. Vor allem die langen Verbindungen sind für die Verarbeitung und Weiterleitung komplexer Informationen wichtig.


Neuronale Verbindungen im Fokus – ein neuer Erklärungsansatz für kognitive Beeinträchtigungen bei MS

Es sind die kurzen und langen Verknüpfungen im Gehirn, die die Wissenschaftler:innen nun genauer ins Visier genommen haben. Sie wollten herausfinden, ob diese unterschiedlich stark von MS-bedingten Entzündungsherden betroffen sind und ob sich dadurch die Entstehung MS-typischer kognitiver Beeinträchtigungen erklären lässt.

Dafür wurden im Rahmen einer kleinen, nicht repräsentativen Studie 133 Menschen mit MS und 48 gesunde Personen mittels Magnetresonanztomografie (MRT) und neuropsychologischer Testung untersucht.


Kognitive Leistungsfähigkeit – die langen Nervenbahnen machen bei MS den Unterschied

Die Forscher:innen leiteten aus ihren Studiendaten folgende Ergebnisse ab:

  1. Bei MS werden die langen Nervenbahnen zwischen den Nervenzellen stärker beschädigt als die kurzen.
  2. Die Beschädigung beziehungsweise der Verlust langer Nervenbahnen hat stärkere Auswirkungen auf kognitive Funktionen als die Beschädigung kurzer Nervenbahnen.
  3. Für eine bestmögliche Gehirnleistung ist ein ausgewogenes Verhältnis kurzer und langer Nervenbahnen erforderlich.

Da es sich hierbei um eine kleine, nicht repräsentative Studie zum Zusammenhang von MS und Kognition handelt, sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die Entstehung kognitiver Beeinträchtigungen bei MS zu erklären.

Fazit

  • MS kann sowohl mit körperlichen als auch mit kognitiven Beeinträchtigungen einhergehen.
  • Ursache dafür sind Entzündungsreaktionen im zentralen Nervensystem. Diese können Auswirkungen auf verschiedene Strukturen im Gehirn haben.
  • Du kannst jedoch viel für deine Gehirngesundheit tun: Werde selbst aktiv und halte dich nicht nur körperlich, sondern auch geistig fit. Wie? Indem du deine „kognitive Reserve“ trainierst.

Informiere dich doch gleich einmal genauer über das Thema MS. Fordere dich geistig heraus und trainiere auf diese Weise deine kognitive Reserve! Hier findest du weitere Infos sowie „Fitnesstipps“ für dein Gehirn.

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