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Diagnose

Verschaff dir Klarheit.
Vom Verdacht zur Diagnose MS.

MS, die „Krankheit der 1.000 Gesichter“, ist nicht ganz einfach zu diagnostizieren. Gerade weil es am Anfang keine „klassischen“ Symptome gibt. Die Vielzahl der Krankheitszeichen erschwert es Ärzt:innen oft zu Beginn, MS auch nur zu vermuten. Ist der Verdacht aber erst einmal da, so stehen dir und deinem Arzt oder deiner Ärztin zahlreiche Diagnoseverfahren zur Verfügung, um dir Klarheit zu verschaffen.

Vermutlich schlagen in einem solchen Moment zwei Herzen in deiner Brust. Das eine will es genau wissen – das andere möchte sich am liebsten vor ebendiesem Wissen drücken. Dem zweiten Herz sei gesagt: Eine früh gestellte Diagnose ist das Beste, was dir passieren kann. Das hört sich vielleicht komisch an, ist aber völlig ernst gemeint. Du kannst dann nämlich auch frühzeitig mit einer verlaufsmodifizierenden Therapie beginnen. So kann das Krankheitsgeschehen verlangsamt und dauerhafte Schädigungen können potenziell verhindert oder zumindest verzögert werden.

Wenn dein Arzt oder deine Ärztin den Verdacht auf MS hat, wird man dich zu einem Neurologen oder einer Neurologin überweisen, Spezialisten für dein Nervensystem. Leider hat auch diese:r nicht den einen ultimativen Bluttest parat und ihnen steht auch ein ganz eindeutiges Diagnoseverfahren zur Verfügung. Neurolog:innen müssen sorgfältig andere Erkrankungen ausschließen, die ähnliche Symptome hervorrufen. Erst die Ergebnisse mehrerer Untersuchungen führen letztlich zur gesicherten MS-Diagnose.  

Diese Verfahren zur MS-Diagnose
werden aktuell genutzt:

Ärztliches Beratungsgespräch

Anamnese bedeutet „Vorgeschichte einer Krankheit“ und ist eine wichtige Grundlage für jede genaue Diagnosestellung. Deswegen erfragt deine Ärztin oder dein Arzt als Allererstes deine genauen Beschwerden. Auch frühe, unklare Symptome, die nur für kurze Zeit aufgetreten sind, können Hinweise auf eine MS liefern. Der Arzt/die Ärztin stellt dir möglicherweise eine ganze Reihe von Fragen, auch zu Erkrankungen in deiner Familie, deinem Beruf, zu deinen Lebensumständen etc.

Überprüfung von Muskelkraft und Reflexen

Du kennst ihn bestimmt: den berühmten Hammer, der dein Knie ungewollt nach vorn schnellen lässt. Willkommen beim Test deiner Reflexe! Genau die wird dein:e Neurolog:in nämlich überprüfen. Und nicht nur die: Auch Muskelkraft und -spannung, Feinmotorik, Koordination sowie deine Sensibilität werden genauestens untersucht. Diese Basisdiagnostik liefert zumeist schon wichtige Hinweise für die MS-Diagnosestellung.

Untersuchung der Nervenreizleitung

Die Funktionsfähigkeit deiner Nervenbahnen, d. h. wie schnell und zuverlässig sie Informationen von außen an dein Gehirn weiterleiten, kann durch sogenannte evozierte Potenziale untersucht werden. Dazu stimuliert der Arzt/die Ärztin gezielt ein Sinnesorgan wie z. B. deine Augen oder einen Nerv an deinem Bein. Das löst im Gehirn ein elektrisches Signal aus, das sich mittels Elektroden messen lässt. Wenn der Nerv den elektrischen Reiz an das Gehirn überträgt, ändert sich das messbare elektrische Potenzial, aufgezeichnet als Hirnstromkurve, kurz EEG. Dabei geben eine veränderte Form der Kurve sowie Breite und Höhe der aufgezeichneten Wellen Hinweise auf Schädigungen der Nervenfasern. Eine langsamere Antwort weist auf eine Schädigung der Myelinscheiden hin.

Evozierte Potenziale werden auf vier verschiedene Arten gemessen:
VEP visuell evozierte Potenziale

Durch VEP werden deine Sehnerven und deine Sehbahn beurteilt. Dazu betrachtest du auf einem Bildschirm ein digitales Schachbrettmuster, dessen Farben in Sekundenabständen wechseln. Schwarz wird zu Weiß und wieder zu Schwarz … Nun wird die Geschwindigkeit deiner Reizübertragung von der Reizauslösung bis hin zur Wahrnehmungsverarbeitung im Gehirn anhand der Änderung des gemessenen elektrischen Potenzials beurteilt.

(F)AEP (frühe) akustisch evozierte Potenziale

AEP helfen, Erkrankungen deines Hörnervs und Hirnstamms festzustellen. Dazu werden dir Töne über einen Kopfhörer vorgespielt, und es wird die Geschwindigkeit der Reizübertragung im akustischen System des Hirnstamms untersucht.

SEP somatisch evozierte Potenziale (SSEP = somatosensibel evozierte Potenziale)

SEP helfen, besonders empfindungsfähige Nerven zu beurteilen. Dazu wird ein solcher sensibler Nerv über eine Elektrode immer wieder elektrisch stimuliert, z. B. am Bein, an der Hand oder im Gesicht. Diese Methode wird bevorzugt eingesetzt, um die Berührungsempfindlichkeit bei Sensibilitätsstörungen zu testen.

MEP (TMS) motorisch evozierte Potenziale (transkranielle Magnetstimulation)

Dieses Verfahren wird eingesetzt, um deine Motorik zu untersuchen. Dabei wird überprüft, ob Bewegungssignale, die dein Gehirn an deine Muskeln sendet, auch wirklich dort ankommen und willkürliche Bewegungen auslösen können. Dazu wird die sogenannte transkranielle Magnetstimulation eingesetzt. Eine Spule, die an den Kopf gehalten wird, sendet einen kurzen Magnetimpuls an das Gehirn. Dieser Impuls löst eine elektrische Änderung erst im Gehirn, dann in den Nervenfasern und schließlich im Muskel aus, welcher dann mit einer Zuckung antwortet. Diese Antwort wird über Klebeelektroden aufgezeichnet. So lässt sich die Geschwindigkeit bestimmen, mit der der Reiz übertragen wurde. Diese Untersuchung ist nicht geeignet für Menschen mit MS mit Herz- oder Hirnschrittmachern.

Nutzung bildgebender Verfahren

Die Magnetresonanztomografie, kurz MRT, ist die wichtigste Methode, damit die Diagnose MS gestellt werden kann. Die MRT ist ein bildgebendes Verfahren, womit Körperabschnitte millimetergenau veranschaulicht werden können. Dabei wirst du keinen Röntgenstrahlen ausgesetzt. Stattdessen kommen starke Magnetfelder und Radiowellen zum Einsatz, um in den Körper „hineinzuschauen“. Unser Körper enthält viel Wasser und besteht damit zu einem großen Teil aus Wasserstoffatomen. Die Wasserstoffatome verhalten sich wie winzige Magnete. Sie werden in der MRT-Röhre angeregt und senden bestimmte Signale zurück, die vom Computer analysiert und dann in virtuelle Schnittbilder des Körpers umgewandelt werden – z. B. vom Gehirn. Das ist möglich, weil sich die Signale verschiedener Gewebe je nach deren spezifischem Gehalt an Wasser und somit an Wasserstoffkernen unterscheiden. So senden z. B. Knochen, die kaum Wasser enthalten, ein sehr schwaches Signal im Vergleich zum weichen Gehirngewebe, das einen hohen Wassergehalt aufweist.

Bei 85 Prozent der Menschen mit MS sind bereits im Frühstadium Veränderungen im Gehirn feststellbar, die auf Entzündungsherde schließen lassen. Im fortgeschrittenen Stadium ist das bei fast allen Menschen mit MS der Fall. Die Ärztin oder der Arzt kann anhand des MRT-Bildes erkennen, ob das Gewebe weich oder fest ist und ob eine Entzündung vorliegt. In manchen Fällen werden Kontrastmittel eingesetzt, um das akute Entzündungsgeschehen im Gewebe zu sehen. Bei Verdacht auf MS kann ein Gadolinium-haltiges Kontrastmittel in die Vene gespritzt werden. Das Kontrastmittel lagert sich in die aktiven Entzündungsherde ein, die dadurch besser erkennbar sind. So lassen sich neu entstandene und alte Entzündungen unterscheiden. MRT-Untersuchungen sollten auch im Krankheitsverlauf regelmäßig durchgeführt werden, um die Aktivität der MS im Auge zu behalten.

Analyse des Nervenwassers

Für eine gesicherte MS-Diagnose kommt der labortechnischen Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) eine wichtige Rolle zu. Dazu muss Liquor aus deinem Wirbelkanal entnommen werden. Mit einer Lumbalpunktion, bei der im Sitzen oder Liegen eine Hohlnadel in den Wirbelkanal eingeführt wird, kann der Arzt oder deine Ärztin eine ausreichende Menge Liquor sammeln.

Ein Labor untersucht den Liquor auf ein bestimmtes Antikörpermuster (sogenannte oligoklonale Banden), das sich nur hier, aber nicht im Blut zeigt. Das kann einen Hinweis auf MS geben.

Wann gilt die Diagnose MS als sicher?

Wie bereits erwähnt, ist jedes der hier aufgeführten Verfahren nur einer von vielen Bausteinen einer MS-Diagnose. Deshalb gibt es die sogenannten McDonald-Kriterien, mit denen die MS-Diagnose mit großer Sicherheit gestellt werden kann.

Laut diesen Kriterien werden die Anzahl der Schübe, das Ergebnis der MRT-Untersuchung sowie ggf. die Nervenwasseranalyse für die MS-Diagnose einbezogen. Deine Ärztin oder dein Arzt schätzt deine Krankheitszeichen und deren zeitliche und räumliche Verteilung ein. Zum Beispiel können das Auftreten eines zweiten Erkrankungsschubs im Abstand von mindestens einem Monat sowie eines oder mehrerer neuer Herden in verschiedenen Gehirnarealen in einer Kontroll-MRT starke Hinweise für die Diagnose MS sein.

Im Vergleich zu früher lässt sich die Diagnose MS heute viel schneller und dabei ziemlich sicher stellen. Und das ist gut so! Weil eine frühzeitige Therapie dich vor dem Fortschreiten der MS schützen kann.

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