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Therapien

Vielleicht wird dich MS verändern.
Vielleicht verändert deine Therapie aber auch MS.

Auch wenn MS bislang nicht heilbar ist, so lässt sie sich inzwischen sehr gut behandeln. Die Wahl der geeigneten Therapie ist abhängig vom Krankheitsverlauf und von der Schwere deiner MS. Eine individuell auf dich zugeschnittene MS-Therapie kann den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen und Beschwerden verringern. Besonders wichtig ist, so früh wie möglich mit der MS-Therapie zu beginnen, am besten direkt wenn die MS-Diagnose gestellt wird.

Du bist gefragt!

Wichtig dabei ist: Du entscheidest gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, wie deine individuelle Therapie aussehen soll. Sprich bei deinen Arztterminen auch darüber, was du von der Therapie erwartest und was dir wichtig ist, zum Beispiel in Bezug auf Familie, Hobbys oder deinen Beruf. Diese Bereiche deines Lebens sollten bei der Wahl der Behandlung auf jeden Fall mitberücksichtigt werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat in Zusammenarbeit mit dem Krankheitsbezogenen Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) ein multimodales Stufenkonzept zur MS-Therapie entwickelt.

Stock-Foto. Mit Model gestellt.

Die multimodale MS-Therapie besteht im Wesentlichen aus drei Säulen:

Akute Schubtherapie

  • Kurzfristige Behandlung
  • Ziel: einen akuten Schub verkürzen und Beschwerden mildern
  • Einsatz von entzündungshemmenden Medikamenten, die für die Rückbildung der Symptome sorgen
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Die Forschung hat ergeben, dass Menschen mit Multipler Sklerose besonders am Anfang mit akuten Schüben rechnen müssen. Ziel der Schubtherapie ist es deshalb, die Symptome und die sich daraus ergebenden Beeinträchtigungen gezielt abzuschwächen.

Ein akuter Schub wird durch Entzündungsherde im Gehirn oder Rückenmark ausgelöst. Deshalb wird Menschen mit MS in dieser Situation zumeist ein hochdosiertes Kortison verabreicht. Reicht eine Kortisontherapie allerdings nicht aus, besteht die Möglichkeit einer Art Blutwäsche wie bei der Dialyse: die Plasmapherese. Diese Form der Therapie wird nur bei besonders schweren Schüben in Betracht gezogen. Dabei wird das Blut der Betroffenen durch einen Apparat gepumpt, der das Blutplasma reinigt und durch neues ersetzt. Dadurch werden entzündungsfördernde Substanzen aus dem Blut „gewaschen“, die für die Schädigung der Myelinscheide verantwortlich sind.

Verlaufsmodifizierende MS-Therapie

  • Langfristige Behandlung
  • Ziel: die Häufigkeit und Schwere von Schüben verringern und ein Voranschreiten (Progression) der MS verhindern
  • Einsatz von Medikamenten, die auf das Immunsystem wirken
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Die zweite Säule der Behandlung ist die verlaufsmodifizierende Therapie, die das Immunsystem beeinflusst und als Langzeittherapie ausgerichtet ist. Dabei wird das Arzneimittel abhängig davon gewählt, wie stark die Aktivität deiner MS ist und welche Verlaufsform du hast. Hier wird unterschieden, ob es sich um eine schubförmige oder progrediente MS handelt bzw. ob die MS mild, moderat oder hochaktiv ist. Für jede Erscheinungsform gibt es diverse Therapien, die du mit deinem Arzt oder deiner Ärztin besprechen wirst. Für viele spielt auch die Verabreichungsform eine wichtige Rolle: Infusion, Injektion oder doch lieber Tabletten? Wie gesagt: Du entscheidest und schaust, wie gut du es verträgst und wie es dir damit geht.

Symptomatische MS-Therapie

  • Einsatz je nach individuellem Krankheitsbild
  • Ziel: körperlichen, psychischen oder kognitiven Beschwerden entgegenwirken
  • Medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapie wie z. B. Physiotherapie, psychologische Beratung oder Psychotherapie, kognitives Training oder Logopädie
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Die dritte Behandlungssäule richtet sich in erster Linie gegen Schmerzen und alle Symptome, die sich ungünstig auf deinen Alltag auswirken können. Oder anders gesagt: Es geht um deine Lebensqualität. Und weil MS die „Krankheit der 1.000 Gesichter“ ist, wird diese Therapie besonders individuell auf dich zugeschnitten. Dazu gehören:

Behandlung von Spastiken

Die meisten Menschen mit MS leiden im Laufe der Erkrankung an einer erhöhten Muskelspannung, der sogenannten Spastik. Das kann dich im Alltag, aber auch im Beruf stark beeinträchtigen – je nachdem, wie ausgeprägt der Spasmus ist. Hier wird eine Mobilisierung der Muskeln anvisiert, um die physiologischen Bewegungsmuster aufrechtzuerhalten. Aber natürlich auch um Schmerzen zu reduzieren und Verformungen vorzubeugen.

Die DGN-Leitlinie empfiehlt hier Physiotherapie mit oder ohne Geräte. Dein:e Therapeut:in zeigt dir, wie du deine Muskulatur stärkst, um dich wieder besser und geschmeidiger bewegen zu können. Was du selbst tun kannst, erfährst du außerdem hier. Medikamente wie z. B. Antispastika oder Muskelrelaxanzien helfen dir, das Auftreten der Spasmen zu reduzieren.

Therapie von Koordinationsstörungen (Ataxie) und Zittern (Tremor)

Jede Behandlungsmethode hat das Ziel, dass du eigenständig und unabhängig bleibst. Ideal ist laut DGN-Leitlinie eine Kombination aus physio- und ergotherapeutischen Maßnahmen. Erst wenn beides nicht erfolgversprechend ist, werden Medikamente eingesetzt.

Aktiv gegen Fatigue

Das chronische Ermüdungssyndrom wird Fatigue genannt. Nahezu alle Menschen mit MS kennen es – vielleicht auch du. Sich permanent erschöpft und müde zu fühlen wirkt sich auf alles aus: Beruf, Familie und Freizeit.

Die DGN verweist darauf, dass die Ursachen der Fatigue bis heute nicht abschließend erforscht sind. Das macht eine Therapie schwerer, denn wo setzt man am besten an?

Empfohlen wird aerobes Ausdauertraining – also Sport im unteren Pulsbereich bei geringerer Belastung und längerer Trainingszeit. Dabei wird Energie unter Verbrauch von Sauerstoff bereitgestellt. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass dabei auch noch Fett verbrannt wird. Mehr dazu erfährst du hier.

Eine klare Tagesstruktur, das strikte Einhalten von Pausen, aber auch antriebssteigernde Medikamente können Symptome mildern.

Therapie kognitiver Störungen

Dazu zählen Störungen der Aufmerksamkeit, der Konzentration, eine verminderte Geschwindigkeit, Informationen zu verarbeiten, aber auch Gedächtnisstörungen.

Die DGN-Leitlinie weist auf eine reduzierte medikamentöse Therapierbarkeit der kognitiven Störungen hin. Mit neuropsychologischem Funktionstraining hingegen können kognitive Einschränkungen wirksam behandelt werden. Dazu gehören verschiedene Maßnahmen zur Förderung, Wiederherstellung oder Kompensation der eingeschränkten Fähigkeiten sowie eine begleitende Psychotherapie.

Außerdem waren Aufmerksamkeitstrainings in vielen Fällen erfolgreich. Mehr dazu, wie du dein Gehirn schützt, erfährst du hier.

Therapie von Blasenstörungen

Blasenstörungen kommen besonders häufig vor. Hier wird eine Untersuchung bei eine:r Urolog:in empfohlen, um die Art der Funktionsstörung zu ermitteln. Medikamente, aber auch Beckenbodentraining können hier zum Einsatz kommen, um die Blasenfunktion günstig zu beeinflussen.

Therapie bei sexuellen Störungen

Hiervon können sowohl Männer als auch Frauen betroffen sein. Bei organischen Ursachen kann eine medikamentöse Therapie in Betracht gezogen werden. Vorab muss aber abgeklärt werden, ob es sich nicht um die unerwünschte Nebenwirkung eines zuvor verabreichten Medikaments handelt. Parallel dazu werden psychotherapeutische Maßnahmen empfohlen.

Ergänzend: Rehabilitationsmaßnahmen

Intensive, individuell auf dich zugeschnittene medizinische, berufliche und soziale Maßnahmen wie:

  • Krankengymnastik
  • Ergotherapie
  • Trainings- und Bewegungstherapie
  • Physikalische Therapie
  • Logopädie
  • Psychologische Behandlung
  • Neurokognitive Therapie
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Behandlung durch Physiotherapie

Physiotherapie hilft dir dabei, deine körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten, den Gleichgewichtssinn zu trainieren, Muskeln aufzubauen und die Beweglichkeit zu verbessern. Egal ob Spastik, Koordinationsstörungen, Lähmungen, Tremor oder Blasenfunktionsstörungen: All diese MS-Symptome lassen sich sehr gut physiotherapeutisch behandeln.

Behandlung durch Ergotherapie

Hier geht es vor allem darum, die Bewegungsabläufe zu erleichtern oder Alternativen in deinem Verhalten zu trainieren. Dazu gehört auch das Einbeziehen von Hilfsmitteln. Durch Ergotherapie können Gehirnfunktionen umstrukturiert werden. So wird hier u. a. trainiert, wie eine verlorene Fähigkeit von einem anderen – noch intakten – Hirnbereich übernommen werden kann.

Behandlung durch Logopädie

Gerade bei Sprach- und Schluckstörungen empfiehlt sich eine logopädische Behandlung. Hier wird trainiert, genau die Muskulatur bewusst wahrzunehmen, die wir benötigen, um zu schlucken oder zu sprechen. Mit Logopädie lernst du, wie du deine Gesichts- und Kehlkopfmuskulatur kontrollieren kannst.

Stock-Foto. Mit Model gestellt.

Last but not least:
Das ist bei der MS-Therapie besonders wichtig!

Früher Therapiebeginn ab Diagnose

… denn je früher die MS erkannt und effektiv behandelt wird, desto besser lässt sich die Entstehung von Schäden im Gehirn und im Rückenmark verlangsamen oder sogar aufhalten.

Konsequente Therapieeinhaltung

… denn nur durch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten lässt sich das Krankheitsgeschehen meist positiv beeinflussen. Auch wenn du vielleicht gerade beschwerdefrei bist und dich gut fühlst: Die MS ist dennoch oft weiter aktiv und verursacht Entzündungen an deinen Nerven. Deshalb ist es besonders wichtig, deine Medikamente regelmäßig und genau so lassen einzunehmen.

Regelmäßige ärztliche Konsultationen

… denn nur unter kontinuierlicher ärztlicher Kontrolle kann einem Fortschreiten der Erkrankung entgegengewirkt und bei Beschwerden oder Veränderungen deine Therapie schnellstmöglich angepasst werden.

Quellennachweise

DGN-Leitlinie „Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose“, Version Stand Januar 2012
(letzte Aktualisierung 12.04.2014, abgerufen am 23.07.2020)

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