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Lifestyle

Bleib aktiv! Sport und Bewegung sind wichtig bei MS – und zwar in jeder Phase der Erkrankung

Wie bedeutend Sport und Bewegung für Körper und Seele sind, weißt du sicherlich bereits. Aber wusstest du auch, dass körperliche Aktivität bei MS in jeder Krankheitsphase und selbst bei starken körperlichen Einschränkungen empfohlen wird? Ein internationales Forschungsteam veröffentlichte dazu kürzlich einen Artikel im Multiple Sclerosis Journal. Die Autor:innen präsentieren hier umfassende Empfehlungen für Aktivitäten in jedem Krankheitsstadium. Und sie erörtern, wie Ärzt:innen die Betroffenen dabei unterstützen können. Die Empfehlungen beinhalten nicht nur therapeutische Maßnahmen, sondern auch Bewegung in Beruf und Alltag sowie zahlreiche Aktivitäten mit Fun- und Lifestyle-Faktor – inklusive Tanzen.

Trotz der positiven Effekte von Sport und Bewegung sind viele Menschen mit MS häufig weniger körperlich aktiv als gesunde Menschen. Warum? Zu den möglichen Gründen gehört, dass sich die Betroffenen aufgrund ihrer Erkrankung oft weniger zutrauen. Weitere mögliche Faktoren sind Fatigue, Einschränkungen der Beweglichkeit, Depressionen, das Gefühl von Unsicherheit, z. B. durch Gleichgewichtsstörungen bei der Ausübung des Sports, das Unwissen, welcher Sport der richtige bei MS ist, aber auch der fehlende Zugang zu geeigneten Angeboten. Dabei ist regelmäßige Bewegung eine der wichtigsten Maßnahmen bei MS, um die körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit zu stärken und das seelische Wohlbefinden zu steigern.

Die Autor:innen haben einen Maßnahmenkatalog für behandelnde Ärzt:innen veröffentlicht. Ärzt:innen spielen durch ihren regelmäßigen Kontakt mit MS-Betroffenen bei der Beratung und Motivation eine entscheidende Rolle.

Ein Sport- und Bewegungsprogramm für Menschen mit MS, das individuelle Fähigkeiten und Interessen berücksichtigt:

Du fragst dich, was das Besondere an dem Maßnahmenkatalog ist?

  1. Er beinhaltet detaillierte Empfehlungen für alle Grade körperlicher Beeinträchtigung.
  2. Diese Empfehlungen beziehen sich sowohl auf gezielte bewegungstherapeutische Maßnahmen als auch auf ein breites Spektrum unterschiedlichster Alltags- und Freizeitaktivitäten. Sogar Gartenarbeit gehört dazu.

Die Autor:innen empfehlen unter anderem folgende Sportarten und körperlichen Aktivitäten:

Für Menschen mit MS mit keinem oder nur geringem Grad der Beeinträchtigung:

  • Gezieltes Ausdauer- und Krafttraining, Dehnungsübungen, neuromotorisches Training
  • Yoga, Pilates, Tai-Chi, Boxen
  • Spazierengehen, Walking oder Wandern mit Wanderstöcken
  • Gartenarbeit
  • Fahrradfahren
  • Einzel- und Teamsportarten 

Für Menschen mit MS mit zunehmenden körperlichen Beeinträchtigungen:

  • Angepasstes Ausdauer- und Krafttraining, Dehnungsübungen, neuromotorisches Training
  • Schwimmen, Aquasport
  • Ausübung von Sport und Bewegung im Sitzen, auch Yoga oder Boxen
  • Nutzung entsprechender Hilfsmittel, zum Beispiel Fahrradergometer
  • Bei Bedarf physiotherapeutische Unterstützung, inklusive passive Bewegung

Das Bewegungsprogramm sollte stets individuell angepasst werden. Denn welche Bewegungen und welcher Sport bei MS die passenden sind, muss für die betroffenen Menschen individuell entschieden werden. Je weiter die MS und die damit einhergehenden körperlichen Beeinträchtigungen voranschreiten, desto wichtiger sind professionelle Beratung und Unterstützung bei der Ausübung des Bewegungsprogramms, zum Beispiel durch erfahrene Physiotherapeut:innen.

Der Artikel beinhaltet darüber hinaus konkrete Hinweise und Anregungen, wie das Behandlungsteam Menschen mit MS motivieren und unterstützen kann – um mögliche Hürden zu überwinden, individuelle Herausforderungen zu meistern und Sport und Bewegung zu einem festen Bestandteil des Alltags werden zu lassen.

Sogar Tanzen steht auf dem Programm

Was die Autor:innen noch empfehlen? Tanzen! Je nach körperlichem Befinden auch im Sitzen. Zum Thema „Tanzen bei MS“ wurden in den vergangenen Jahren einige kleine Studien durchgeführt. Im Jahr 2018 veröffentlichten kanadische Forscher:innen eine Metastudie, die sich mit der Frage befasste, ob sich Tanzen förderlich auf Gang, Balance und Mobilität bei Menschen mit neurologisch bedingten Einschränkungen des Bewegungsapparates auswirkt. Hierfür wurden die Daten von neun Tanzstudien ausgewertet. An den Studien nahmen Menschen mit MS, Schlaganfall, Rückenmarksverletzung und der Huntington-Krankheit teil. Auch wenn aufgrund der sehr kleinen Patient:innenzahl die Studie nicht repräsentativ ist, gibt sie doch erste Hinweise darauf, dass sich Tanzen positiv auf die untersuchten Parameter auswirkt – und dies für die unterschiedlichsten Tanzstile.

Ob mit oder ohne MS – Tanzen kann viel bewirken:

  • Sich der Musik hinzugeben und im Rhythmus zu bewegen, macht gute Laune.
  • Tanzen stärkt die Muskulatur, den Rücken und das Herz-Kreislauf-System.
  • Der gesamte Körper wird gelockert.
  • Koordinationsfähigkeit und Gedächtnis werden durch das Erlernen von Bewegungsabläufen trainiert.
  • Gemeinsam mit der Partnerin oder dem Partner sorgt Tanzen für schöne gemeinsame Momente.

Fazit

Welche Bedeutung haben Sport und Bewegung für dich?

  • Sport ist wichtig für dein körperliches und seelisches Wohlbefinden – und zwar in jeder Phase der Erkrankung.
  • Körperliche Betätigung ist immer möglich und notwendig – bei Bedarf angepasst an deine individuellen körperlichen und gesundheitlichen Voraussetzungen.
  • Bereits regelmäßige alltägliche Aktivitäten bei der Arbeit, im Haushalt oder in der Freizeit stärken deinen Körper.
  • Es muss dabei nicht immer ernst zugehen. Such dir etwas aus, das dir wirklich Spaß macht. Auch tanzend kannst du dir selbst etwas Gutes tun.
  • Wenn du Fragen zu diesem Thema hast oder wenn du dir konkrete Anregungen und Hilfe wünschst, sprich mit deinem Behandlerteam darüber.

Über das Thema „Sport und Bewegung bei MS“ gibt es noch viel mehr zu erfahren. Schau doch gleich mal hier!

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